Bevor die ersten Brennstoffzellen-Lkw von Daimler Trucks Ende 2026 in die Praxiserprobung bei verschiedenen Fuhrunternehmen gehen können, muss sichergestellt sein, dass die Technik auch unter widrigen Umständen funktioniert. Vor diesem Hintergrund wurden zwei Fahrzeuge der nächsten Entwicklungsstufe des Mercedes-Benz GenH2 Truck einer intensiven Wintererprobung am Simplonpass im schweizerischen Wallis unterzogen. Die harten Bedingungen bei Kälte und Schnee sowie herausfordernde Steigungsprofile in dieser Region boten die besten Voraussetzungen, um die Technik der mit Flüssigwasserstoff betriebenen Lkw unter anspruchsvollen und realistischen Bedingungen zu testen.
„Mit einer Passhöhe von über 2.000 Metern über dem Meeresspiegel und einem Aufstieg von 600 auf 2.000 Meter Höhe bot die Strecke über den Simplonpass gute Voraussetzungen, um das Zusammenspiel des Brennstoffzellenaggregats mit weiterentwickelten Komponenten zu testen“, erklärt Rainer Müller-Finkeldei, Leiter Mercedes-Benz Trucks Product Engineering.
Während der Erprobung wurde das Zusammenspiel aller wesentlichen Komponenten geprüft, dazu gehören neben der Brennstoffzelle und der Hochvolt-Batterie auch die eAchse, das Tanksystem und das Thermomanagement. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Einsatz des Predictive Powertrain Controls, des topografieabhängigen Tempomats. Ziel war es dabei, die Batterie in Kombination mit der Brennstoffzelle effizient einzusetzen, sowohl was den Abruf der Energie für den Vortrieb als auch die Rekuperation bei Abwärtsfahrten betrifft.
Die beiden Wasserstoff-Lkw absolvierten in einem Zeitraum von 14 Tagen ein Testprogramm mit bis zu 40 Tonnen Gesamtfahrzeuggewicht. Dabei legten sie insgesamt 6.500 Kilometer zurück und überquerten dabei Passstraßen mit einem Gesamtanstieg von 83.000 Höhenmetern. Besonders herausfordernd waren die rund 20 Kilometer langen Passauf- und -abfahrten mit einem Steigungsgrad von 10 bis 12 Prozent.
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) sowie die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hatten im Herbst vergangenen Jahres Daimler Truck Fördermittel in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro zugesagt. Diese Mittel fließen in die Entwicklung, die Kleinserienproduktion und den Kundeneinsatz von 100 Brennstoffzellen-Lkw.
Das Projekt, das im Rahmen des IPCEI-Programms (Important Project of Common European Interest) der EU entstanden ist, umfasst fahrzeug- sowie produktionsbezogene Aktivitäten. Die Fördermittel werden für die Entwicklung der Fahrzeuge, den Aufbau und Betrieb der Brennstoffzellen-Lkw, Machbarkeitsstudien zur Wasserstofflieferkette sowie die notwendigen Produktionsanlagen und -prozesse verwendet. Die Sattelzugmaschinen werden im Mercedes-Benz-Werk Wörth gebaut und sollen ab Ende 2026 bei verschiedenen Kunden in den Praxisbetrieb gehen. (ben)